Gemeinde
{{QS-BKS|Ü=Gemeinde und Gemeinde Begriffsklärung vs. Siedlung und Siedlung (Begriffsklärung)}}
{{Dieser Artikel|behandelt die politische Gemeinde; andere Gemeindearten siehe Gemeinde (Begriffsklärung).}}
Als Gemeinde, politische Gemeinde oder Kommune bezeichnet man diejenigen Gebietskörperschaften (territoriale und hoheitliche Körperschaften des öffentlichen Rechts), die im öffentlich-verwaltungsmäßigen Aufbau von Staaten die kleinste räumlich-administrative, also politisch-geographische Verwaltungseinheit darstellen. Das entspricht der LAU-2-Ebene der Europäischen Union.
Als Gemeindeebene oder Kommunalebene bezeichnet man die politische Ebene, die der Gemeinde entspricht, wobei in manchen Staaten der Begriff in der LAU-2 in anderen Staaten als LAU-1-Ebene eingeordnet wird, die Begriffe Kommunalebene und Gemeindeebene daher unter Umständen nicht ganz dasselbe bezeichnen.
Die Gemeindeverwaltung ist die Gesamtheit aller Organe, Ämter und Behörden der Gemeinde. Das Gebäude des Verwaltungssitzes wird im deutschen Sprachraum regional unterschiedlich Rathaus, Stadthaus, Gemeindehaus oder Gemeindeamt genannt.
Geschichte
Mittelalter
{{Hauptartikel|Kommune (Mittelalter)}}
Im späten 11. Jahrhundert setzte im westlichen Teil des Heiligen Römischen Reiches eine Bewegung ein, die in den Quellen mit den Begriffen coniuratio oder communio bezeichnet wird. In Le Mans verbreitete sich im Jahre 1070 eine „Verschwörung, die sie Kommune nannten“.[http://books.google.fr/books?id=gYBAAAAAcAAJ&pg=PA407#v=onepage&q=conspiration&f=false Jean-Charles-Leonard Simonde de Sismondi, Histoire des Français, Band 4, Paris 1823, S. 406] Später beschworen die Bürger von Cambrai im Jahre 1077 eine schon lange geplante „Kommune“. Sie nutzten die Abwesenheit des bischöflichen Stadtherrn. Sie beschworen untereinander durch Eid, dem Bischof den Eintritt in die Stadt zu verwehren, wenn er die neue Eidgenossenschaft nicht anerkennt. Zwar wurde diese erste Kommune niedergeschlagen und wieder aufgelöst; dennoch zog sich der Kampf der Bürger von Cambrai um Wehrhoheit, Gerichtsbarkeit und städtische Selbstverwaltung bis in die 20er Jahre des 13. Jahrhunderts.
Aber auch in anderen Städten des deutschen Sprachraums gab es kommunale Bewegungen. So 1074 in Köln gegen den Erzbischof von Köln und 1073 in Worms. In beiden Fällen ging es um die Erreichung größerer Freiheiten vom feudalen Stadtherrn, insbesondere von geistlichen Herren. Der Stadtherr übte mit seinen Dienstleuten und Amtsträgern die Gerichts- und Verwaltungsbefugnisse in der Stadt aus, er hatte Gewalt über die Befestigungen der Stadt, übte Markt- und Zollrechte aus und bezog Einnahmen daraus. Sehr oft gehörte dem Stadtherrn auch der Grund und Boden der Stadt, sodass für dessen Nutzung für Bauten und die Wirtschaftstätigkeiten Abgaben zu zahlen waren. Weiterhin standen viele Bürger in einem persönlichen Abhängigkeitsverhältnis zum Stadtherrn.
Quellen zufolge kritisierten insbesondere die zu Reichtum gelangten Kaufleute die Herrschsucht der Stadtherren. Die vielschichtigen Gründe führten aber dazu, dass nicht nur die Kaufleute und Handwerker aufbegehrten, sondern sich auch in die Stadt geflüchtete hörige Bauern, Ministeriale und abhängige Dienstleute dem Kampf um die Kommune anschlossen.
Rechtliche Situation nach Staat
Deutschland
{{Verwaltungsgliederung Deutschlands|klein=ja}}
{{Hauptartikel|Gemeinde (Deutschland)}}
In Deutschland benutzt man für Orte oder Städte als politische Gemeinde oder Ortsgemeinde meist den vereinfachten Ausdruck „Gemeinde“, der aber auch andere regionalspezifische Gemeindeformen beinhaltet. Die Gemeindeordnungen werden von den Ländern beschlossen. Interkommunale Kooperationen, die eine eigene Rechtspersönlichkeit erfordern, erfolgen im Rahmen eines Gemeindeverbandes.
In Deutschland wird die Gemeinde in der LAU-2-Ebene (der früheren NUTS5) eingeordnet, während die Verwaltungsgemeinschaften in LAU-1 eingereiht werden.
Österreich
{{Hauptartikel|Gemeinde (Österreich)}}
In Österreich benutzt man meist den vereinfachenden Ausdruck Gemeinde, der aber auch andere regionalspezifische Gemeindeformen beinhaltet.
Sämtliche Gemeinden in Österreich werden bei LAU-2 eingeordnet. Die LAU-1-Ebene wird nicht verwendet.
Schweiz
{{Hauptartikel|Gemeinde (Schweiz)}}
Die Bezeichnung politische Gemeinde ({{DeS|Gemeinde}}, {{FrS|commune}}, {{lang|fr|bourgeoisie}}, {{ItS|comune}}, {{RmS|vischnauncas}}) wird in der Schweiz aufgrund einer intensiveren Präsenz der Bezeichnungen weiterer Gemeindearten sehr viel häufiger, verbindlicher und auch amtlich benutzt. Ferner kann dort darunter auch die Gesamtheit aller stimmberechtigten Einwohner einer politischen Gemeinde verstanden werden; der Begriff der ‚Gemeinde‘ bezeichnet dann die Stimmgemeinde bzw. das Stimmvolk.
Gemeindebegriffe in der Schweiz:*Politische Gemeinde, auch Einwohnergemeinde, Munizipalgemeinde, {{lang|fr|[commune] bourgeoise}}, {{lang|rm|vischnanca burgaisa}}
*Munizipalgemeinde
*Bürgergemeinde, auch Burgergemeinde, Ortsgemeinde, Ortsbürgergemeinde, {{lang|fr|[commune] bourgeoise}}, {{lang|rm|vischnanca burgaisa}}
*Korporationsgemeinde
*Einheitsgemeinde
*Gemischte Gemeinde
*Kirchgemeinde
*Schulgemeinde
*Feuerschaugemeinde
*Bäuert
*Fraktionsgemeinde
*Viertelsgemeinde
Siehe auch:
*Gemeindedualismus
Weitere Länder
* China: siehe Gemeinde (China)
* Dänemark: siehe Kommune (Dänemark)
* Finnland: siehe Gemeinde (Finnland)
* Frankreich: siehe Gemeinde (Frankreich)
* Italien: siehe Italienische Gemeinden
* Jugoslawien und dessen Nachfolgestaaten Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Mazedonien: siehe Opština
* Niederlande: siehe Gemeinde (Niederlande)
* Norwegen: siehe Kommune (Norwegen)
* Polen: siehe Gmina
* Portugal: siehe Freguesia
* Schweden: siehe Gemeinde (Schweden)
* Spanien: siehe Municipio
* Südafrika: siehe Gemeinde (Südafrika)
* Japan: siehe Gemeinde (Japan)
* Vereinigte Staaten: siehe Town, City, Township
Siehe auch
* Amtlicher Gemeindeschlüssel
* Gemeindefreiheit
* Gemeindefreies Gebiet
* Ortschaft, Stadt, Ortsteil
Literatur
* {{Literatur|Autor=Evamaria Engel|Titel=Die deutsche Stadt im Mittelalter|Ort=München|Jahr=1993|ISBN=3491961351}}
* Peter Blickle: Art. Gemeinde, Gemeindeverfassung, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, hrsg. von Albrecht Cordes, Heiner Lück, Dieter Werkmüller und Christa Bertelsmeier-Kierst als philologischer Beraterin. Redaktion: Falk Hess und Andreas Karg, Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2009, 9. Lieferung, Sp. 47-54. ISBN 978-3-503-07911-7
Weblinks
{{Wiktionary|Gemeinde}}
Einzelnachweise
af:Munisipaliteit
als:Politische Gemeinde
an:Municipio
ar:بلدية
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bar:Gmoa
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bs:Općina
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co:Cumuna
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dsb:Gmejna
el:Δήμος
Municipality
eo:Municipo
es:Municipio
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eu:Udalerri
fa:شهرداری
fi:Kunta
fiu-vro:Vald
fo:Kommuna
Commune
gl:Concello
haw:Aupuni kiwikā
he:רשות מקומית
hi:नगरपालिका
hr:Općina
hsb:Gmejna
hu:Község
hy:Համայնք (վարչական միավոր)
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