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Naturraum

17.02.2012 @ 02:08, Elop,

In der Geographie wird Naturraum, auch Großraum, als eine Einheit des geographischen Raums beschrieben, die mit abiotischen Faktoren (Klima, Relief, Wasserhaushalt, Boden, geologischer Bau) und biotischen Faktoren (Flora und Fauna) ausgestattet ist. Der Begriff Naturraum soll sich deutlich gegen den Begriff Landschaft abgrenzen. In einem Ordnungsprinzip werden die Naturräume in immer kleinteiligeren Einheiten dargestellt.

Naturräumliche Gliederung


Die naturräumliche Gliederung grenzt naturräumliche Einheiten oder Naturräume auf mehreren Skalen voneinander ab. Schon sehr lange (19. Jahrhundert) wird dieses Thema bei Landeskundlern, Geographen, Biologen und anderen mit den räumlichen Strukturen Beschäftigten intensiv diskutiert. Die einzelnen Naturräume sind räumliche Individuen, die in ihrem Gesamtcharakter sich in einzelnen, mehreren oder auf kleiner Ebene sogar in allen Geofaktoren von den benachbarten Flächeneinheiten unterscheiden. Abgegrenzt wird vorrangig nach geomorphologischen und hydrographischen Gesichtspunkten. Landschaftliche Einheiten von bestimmter Erscheinung und Standortausprägung sowie Lagequalität sind somit gegenüber benachbarten Flächen mit unterscheidbarer Charakteristik abgetrennt. Ebenso werden weniger dominante und ins Auge fallende Faktoren wie Relief, Vegetation, Gewässer, Geologie und Klima zur Kartierung mit herangezogen, was aber auch gewisse Grenzen setzt. Denn aktuelle dynamische Prozesse werden dabei meist nicht oder kaum berücksichtigt. In Deutschland dient seit den 50er-Jahren das Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands allgemein als Planungs- und Beobachtungsgrundlage, wird auch in leicht abgewandelter Form zum Beispiel vom Deutschen Wetterdienst bei seinen phänologischen Untersuchungen herangezogen. Es gibt weitere Konzepte, die regional zu einer anderen Gliederungsstruktur und auch zu anderen Landschaftsbezeichnungen kommen.

Physiographische Regionen nach Fenneman


→ Hauptartikel: Physiographische Regionen der Erde nach Fenneman

Die Landschaftsformen oder physiographischen Regionen der Erde – ihre naturräumlichen Einheiten – werden vor allem in der angloamerikanischen Literatur nach Nevin Fenneman (1916) unterteilt.{{cite web |title=Physiographic divisions of the conterminous U. S. |publisher=U.S. Geological Survey |url=http://water.usgs.gov/GIS/metadata/usgswrd/XML/physio.xml |accessdate=2007-12-06}}{{cite web |title=Physiographic & Landform - World, U.S. |publisher=Indiana University of Pennsylvania |url=http://www.lib.iup.edu/depts/govdocs/maps/PhysioLandform.htm |accessdate=2007-12-07}}{{cite web |title=The Atlas of Canada - Physiographic Regions |url=http://atlas.nrcan.gc.ca/site/english/maps/reference/anniversary_maps/physiographicregions |accessdate=2007-12-07}}{{cite web |title=Defining Physiographic Realms and Regions: The Spatial Variation of Landscapes |publisher=Oxford University Press |url=http://www.oup.com/ca/he/companion/deblij/st_index/st_guide/unit52/ |accessdate=2007-12-07}} In der deutschen Geographie, die sich teilweise von dieser fast rein auf Geomorphologie, beziehungsweise der Kombination aus geologischen Verhältnissen und Topographie gestützten Betrachtungsweise davon unterscheidet, brachte unter anderem Ernst NeefErnst Neef: Das Gesicht der Erde. Brockhaus DDR 1956 diese Übersicht näher.

Die Grobeinteilung folgt in Kontinente, wobei es zwischen den einzelnen Kontinentalblöcken durchaus wegen gemeinschaftlicher Vergangenheit oder ähnlicher Genese Verbindungen gibt. Unterhalb der Kontinente als oberstes Gliederungskriterium folgen in diesem Schema Divisions, Provinces (Provinzen) und Sections (Sektionen), entsprechend der Nomenklatur des USGS.

Naturräumliche Gliederung der Staaten


Deutschland


{{Hauptartikel|Naturräumliche Großregionen Deutschlands}}
.
Die Grenzen der Haupteinheitengruppen entsprechen, von der Zusammenlegung einiger alter Gruppen abgesehen, noch der Kartierung von 1960 des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands und sind daher im Einzelfall randständig nicht mit den erst später ausgewiesenen Großregionen 1. und 2. Ordnung kompatibel.]]
{{Anker|Großregion}}Deutschlands Festland besteht aus vier Großregionen 1. OrdnungEmil Meynen (Hrsg.): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953-1962 die sich nach aktuellem Stand jeweils in Großregionen 2. Ordnung (vorangestellter Pfeil „→“) aufspalten:Die Grenzziehung der Großregionen 1. und 2. Ordnung stammt in der Hauptsache aus den Einzelblättern beiliegenden Übersichten ([http://geographie.giersbeck.de/grossregionen_nach_handbuch.jpg hier jene von Blatt Arnsberg 1968], die Grenzziehung auf Blatt Coburg von 1987 ist identisch), in Sachsen Grenzziehung nach Naturräume in Sachsen; [http://geographie.giersbeck.de/naturraeumlichegliederung.htm Übersicht mit Haupteinheitengruppen].
* Norddeutsches Tiefland
** → Marschland (61, 67, 68)
** → Mecklenburgisch-Vorpommersches Küstengebiet (71)
** → ''Nord(ost)deutsche Seenplatte
(70, 72-75, N v. 80)
** → Norddeutsches Heide-, Geest-, Hügel- und FlachlandGenauer Name der Großregion 2. Ordnung nicht bekannt bzw. nicht vergeben.
(58-60, 62-64, 69, 76-89 ohne N v. 80)
** → Lössbörden
44 ohne S, 45-46, 50-52, Teile von 58 und 62)
* MittelgebirgeDer geläufige Begriff Mittelgebirgsschwelle fasst die jüngeren Bruchschollentafelländer und die älteren Grundgebirgsschollenländer zwischen Rheinischem Schiefergebirge und Böhmischer Masse zusammen. Die Erstgenannten bilden eine einfach zusammenhängende Mittelgebirgslandschaft, während die Grundgebirgsschollenländer in 3 Segmente geteilt werden, deren kleinstes und nördlich-mittleres der Harz darstellt.
** Grundgebirgsschollenland
*** → Rheinisches Schiefergebirge (24-25, 27-33, 56)
*** → Harz (38)
*** → Sächsisch-Thüringisch-Bayerisches Mittelgebirge
Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge (39)/Vogtland (41)
Erzgebirge (42)
Westliche Sudeten (43, S v. 44)
Oberpfälzisch-Bayerischer Wald (40)
** Bruchschollentafelland
*** → Niedersächsisch-Hessisches Bergland
Niedersächsisches Bergland (36-37, 53)
West-In der Haupteinheitengruppe Westhessisches Bergland zählt der Kellerwald nicht zum Bruchschollentafelland, sondern als West-Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges zum Grundgebirgsschollenland. und Osthessisches Bergland (34-35)
*** → Thüringer Becken (mit Randplatten) (47-48)
** Schichtstufenland
*** → Nordfranzösisches Schichtstufenland (17-19, 26)
*** → Oberrheinisches Tiefland (20-23)
*** → Südwestdeutsches Stufenland (07-16)
* Alpenvorland
** → Nördliches Alpenvorland (04-06)
** → Voralpines Hügel- und Moorland (03)
* Alpen

** → Nördliche Kalkalpen (01-02)

{{Anker|Region}}Otto Klausing bezeichnet die zweite Ordnungsstufe der naturräumlichen Einheiten als Region.[http://atlas.umwelt.hessen.de/atlas/naturschutz/naturraum/texte/ngl-sy.htm Zur Systematik der naturräumlichen Gliederung] - Die Naturräume Hessens (Otto Klausing 1974/1988), Nachdruck im Umweltatlas Hessen

Die Einheiten 3. Ordnung entsprechen im Regelfalle den Haupteinheitengruppen, sofern diese nicht bereits Großregionen 2. Ordnung darstellen (z. B. Harz und Oberrheingraben). Jedoch wurden sehr viel Raum einnehmende Einheiten 3. Ordnung oftmals auf zwei oder mehr Gruppen aufgeteilt, im Schichtstufenland etwa die Schwäbisch-Fränkischen Gäue (D57/56), Keuper-Lias-Länder (D58/59) und Alben (D60/61) – im vorliegenden Falle auch aus kulturräumlichen Aspekten heraus. Das Rheinische Schiefergebirge stellt, trotz seiner Aufspaltung in immerhin 8 Haupteinheitengruppen, gleichzeitig eine Einheit zweiter und dritter Ordnung dar.

Es folgen weiterhin folgende Untergliederungen:
: 4. Ordnung: Haupteinheit (dreistellige Kennziffer)
: 5. Ordnung: Untereinheit (dreistellige Kennziffer mit einer Nachkommastelle)
: 6. Ordnung: Teileinheit (dreistellige Kennziffer mit zwei Nachkommastellen)
: 7. Ordnung: Grundeinheit (Fliese; dreistellige Kennziffer mit drei Nachkommastellen))

: Singularität/Einzelform (Fliese; meistens ohne Kennziffer)

Siehe auch


* Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands
* Naturräumliche Großregionen Deutschlands nach Definition des Bundesamtes für Naturschutz
* Listen nach Bundesländern
** Baden-Württemberg
** Hessen
** Nordrhein-Westfalen
** Rheinland-Pfalz
** Saarland
** Sachsen

** Schleswig-Holstein

Österreich


Traditiononelle wissenschaftliche Gliederung:
* Vorländer und randalpine Becken:
** Alpen- und Karpatenvorland
** Wiener Becken
** Südöstliches Alpenvorland
* Gneis- und Granithochland
* Österreichische Alpen
** Nordalpen
** Zentralalpen

** Südalpen (wobei der österreichisch Anteil an diesem Gebirgszug recht gering ist)

:Siehe Großlandschaften Österreichs

Schweiz


In der Schweiz ist die geographische Gliederung historisch dreiteilig:Jürg Früh: Geographie der Schweiz. Die Einzellandschaften der Schweiz. Band III (1938)René Ch. Schilter: Versuch einer Landschaftsgliederung und -typologie der Schweiz. Zürich 1977
* Jura
* Mittelland

* Alpen (→ Schweizer Alpen)

Die biogegraphischen Regionen der Schweiz:Yves Gonseth, Thomas Wohlgemuth, Bertrand Sansonnens, Alexandre Buttler: [http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/00207/index.html?lang=de Die biogeographischen Regionen der Schweiz] UM-137-D BAFU (2001)
* Jura und Randen
* Östliches Mittelland
* Westliches Mittelland
* Hochrhein und Genferseeregion
* Voralpen
* Nordalpen
* Östliche Zentralalpen
* Westliche Zentralalpen
* Südalpen
* Südlicher Tessin

Die Zuteilung erfolgt auf Gemeindeebene. Da es sich um eine Gliederung zu statistischen Zwecken handelt, wurde keine feinere Gliederung vorgenommen.

:Siehe auch: Liste der Regionen in der Schweiz

Siehe auch


* Landschaft

* Geologische Provinz

Literatur


* Institut für angewandte Geodäsie (Hrsg.): Landschaften - Namen und Abgrenzungen, Bad Godesberg


Einzelnachweise


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Kategorie:Physische Geographie
Kategorie:Geomorphologie

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