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Rheinromantik

05.04.2012 @ 09:21, Frila,

thumb|Burg Rheinstein bei Trechtingshausen war die erste, die im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut wurde
thumb|[[Schloss Stolzenfels, das herausragendste Werk der Rheinromantik]]
thumb|[[Wernerkapelle (Bacharach)|Wernerkapelle zu Bacharach]]
miniatur|ÿ44ÿ[[Vater Rhein und seine Töchter; Brunnenplastik vor dem Ständehaus der Rheinprovinz; Entwurf, Guss und Bau: Karl Janssen und Josef Tüshaus, 1884/1887]]

Die Rheinromantik war die zeitgemäße Umsetzung der landschaftlichen Gegebenheiten sowie der sagenumwobenen Geschichte des Rheintals in der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik, die vom Ende des 18. bis ins späte 19. Jahrhundert andauerte und in allen Kunstgattungen Ausdruck fand.

Schlegels Reisenotizen als wesentlicher Beitrag


Als Reaktion auf die beginnende Industrialisierung mit ihren negativ empfundenen Begleiterscheinungen wandten sich anfänglich vor allem Literaten und Künstler der Natur und der Vergangenheit zu. Friedrich Schlegel beschreibt den Eindruck von seiner Rheinfahrt im Jahr 1806: „Für mich sind nur die Gegenden schön, welche man gewöhnlich rauh und wild nennt; denn nur diese sind erhaben, nur erhabene Gegenden können schön sein, nur diese erregen den Gedanken der Natur. [...] Nichts aber vermag den Eindruck so zu verschönern und zu verstärken als die Spuren menschlicher Kühnheit an den Ruinen der Natur, kühne Burgen auf wilden Felsen – Denkmale der menschlichen Heldenzeit, sich anschließend an jene höheren aus den Heldenzeiten der Natur.“in: Ernst Behler: Friedrich Schlegel in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 5. Auflage. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 1988, ISBN 3-499-50123-6, S. 100f.

Weitere Autoren

Als Vorläufer der Rheinromantik können die in den 1770er und 80er Jahren Reiseberichte von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin und Heinrich von Kleist am Rhein gelten. Lord Byron machte die Rheinlandschaft mit seiner Verserzählung Childe Harold's Pilgrimage von 1818 in England enorm populär. Die deutsche Dichterin Adelheid von Stolterfoth schuf zahlreiche Rheindichtungen. In der bildenden Kunst sorgte William Turner durch seine auf mehreren Reisen entstandenen Bilder vor allem bei Engländern für Aufmerksamkeit. Die populärsten romantischen Rheinansichten, die in Reproduktionen unterschiedlichen Formats, darunter auch als Postkarten verbreitet waren, stammen von Nikolai von Astudin. Germaine de Staël war eine der ersten Schriftstellerinnen, die ihre Reiseberichte am Rhein in Frankreich veröffentlichte. Gérard de Nerval ist der Autor der „Lorely“.

1840 veröffentlichte Victor Hugo seine Rheinreise.http://www.regionalgeschichte.net/fileadmin/Superportal/Bibliothek/Autoren/Aversano-Schreiber/Rheinreise-Victor-Hugos.pdf

Vom Zwischenstop zur touristischen Adresse


Das Mittelrheintal wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Reisenden wie dem Italiener Aurelio de' Giorgi Bertola (erste Reisebeschreibung im romantischen Stil) 1795 und dem Engländer John Gardnor (Radierungen) jeweils im Jahr 1787 bereist. 1802 bereisten Clemens Brentano und Achim von Arnim das Tal, das sich von der Durchreiseregion auf der klassischen Bildungsreise nach Italien zur touristischen Adresse ersten Ranges entwickelte.

Nach der Schweiz mit ihren rauen Alpentälern wurde das felsige Obere Mittelrheintal mit seinen vielen Burgruinen zum touristischen „Muss". Viele Fürsten und reiche Privatleute begannen mit dem Wiederaufbau der Burgen. Allen voran das preußische Königshaus, das gleich an mehreren Orten tätig war. Als herausragendstes Werk der Rheinromantik gilt das von König Friedrich Wilhelm IV. errichtete Schloss Stolzenfels bei Koblenz. Sogar bei absoluten Profanbauten wie Tunnelzugängen wurde im Zuge der Romantik neugotisch oder neuromanisch gebaut.

Populäre Druckgrafik


Interessanterweise wurde das populäre Bild vom romantischen Rhein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht von der Malerei, sondern fast ausschließlich von der Druckgrafik geprägt. Aquatinten, Lithografien und Stiche illustrierten die Reisebeschreibungen oder wurden als Ansichtenfolgen herausgegeben. Zwischen 1820 und 1830 kamen mindestens zwölf Veröffentlichungen mit eigenständigen neuen Ansichten heraus. Die Engländer waren führend auf dem Gebiet des 1826 in London patentierten Stahlstichverfahrens, das die Kupferstichtechnik ablöste und präzise Darstellungen und hohe Auflagen ermöglichte. Die besten Vorlagen lieferte zu der Zeit William Tombleson, und 50 Stecher setzten sie in den 1832 erstmals erschienenen "Views of the Rhine" in 68 Mittelrhein-Darstellungen um.

Ein Jahr darauf erschienen die "Traveling Sketches" von Clarkson Stanfield. Der Stahlstich mit dem Blick auf Bingen und das Rhein-Nahe-Eck von der anderen Seite des Rheins stammt aus dieser Publikation. Gekonnt verstärkt der englische Künstler mit Hilfe der im Gegenlicht erscheinenden Basilika sowie der spiegelnden Wasseroberfläche die Wirkung der Stadtansicht. Die geografische Wirklichkeit wurde dabei jedoch weitgehend auf dem Altar der Rheinromantik geopfert. Der Betrachter blickt nämlich genau nach Süden, und die tiefstehende Sonne bzw. einen Sonnenuntergang wird man in dieser Richtung wohl kaum erwarten dürfen. Trotzdem zählt diese reizvolle Ansicht zu den bekanntesten und meistkopierten Binger Veduten des gesamten 19. Jahrhunderts.

Zu den künstlerisch und technisch besonders anspruchsvollen Publikationen dieser Zeit gehört die von dem Schweizer Verleger und Maler Johann Ludwig Bleuler um 1827 herausgegebene druckgrafische, den gesamten Rheinlauf wiedergebende Vedutenfolge. Bleulers Hauptwerk, „Voyage pittoresque aux bords du Rhin et de la Suisse“, erschien um 1845. Beachtenswert sind ebenfalls die Publikationen von Karl Baedeker mit Rheinansichten von Rudolf Bodmer und Christian Meichelt, die am Anfang der Publikation der später weltberühmten Baedeker-Reiseführer standen.

Seit 2002 ist das Obere Mittelrheintal zum UNESCO-Welterbe ernannt worden.


Datei:Tombleson Bacharach Werner.jpg|"Views of the Rhine" von William Tombleson (etwa 1840), Ruine der Wernerkapelle zu Bacharach
Datei:Clarkson Stanfield Bingen.jpg|Bingen, Stich von Abresch nach Clarkson Stanfield
Datei:St_Goarshausen.jpg|St. Goarshausen mit Burg Katz, Stich von Ward nach Tombleson
Datei:Ruine Heimburg.jpg|Ruine Heimburg bei Niederheimbach,
Datei:Welmich, Burg Maus.jpg|Wellmich mit Burg Maus
Datei:Schloss Andernach.jpg|Ruine Schloss Andernach
Datei:Schloss Argenfels.jpg|Schloss Ar(g)enfels, Bad Hönningen
Datei:Burg Stolzenfels, im Hintergrund die Burg Lahneck 1836.jpg|Burg Stolzenfels 1836 kurz vor dem Umbau zum Schloss
Datei:Bodmer Loreley.jpg|Die Loreley

*Die Bilder 4 - 7 sind altkolorierte Stiche von Christian Meichelt nach Vorlagen von Johann Adolf von Lasinsky.

Literatur

  • Bertola de' Giorgi, Aurelio: Viaggio sul Reno e ne' suoi contorni. Rimini, Albertini, 1795.
    * Horst-Johs Tümmers: Rheinromantik - Romantik und Reisen am Rhein, Köln 1968, 175 S., mit 107 Abbildungen
    * Carl Trog: Rheinlands Wunderhorn. Sagen Geschichten und Legenden, auch Ränke und Schwänke aus den alten Ritterburgen, Klöstern und Städten der Rheinufer und des Rheingebietes, von den Quellen bis zur Mündung des Stromes. Dem deutschen Volke gewidmet von Carl Trog. 15 Bde. Alfred Silbermann, Essen u. Leipzig 1882-83. Mikado, Atzbach 1980 (Reprint). ISBN 3-8124-0011-1 (Bd 1)
    * Marianne Bernhard (Nachwort): Das malerische und romantische Deutschland-Die Veduten des Reisewerks aus den Jahren 1836 - 1841, Dortmund: 1979 (Die bibliophilen Taschenbücher, 2. Auflage 1980)
    * Kurt Eitelbach: Der romantische Mittelrhein - Ölbilder und Aquarelle aus Koblenzer und rheinischem Privatbesitz, (Ausstellungskatalog des Mittelrhein-Museum Koblenz) Koblenz 1983
    * Dieter Kerber, Martina Kerber und Ernst Lutsch (Bearb.): Burgen und Schlösser des Rheinlandes auf Postkarten (Katalog zur Sonderausstellung des Mittelrheinischen Postmuseums Koblenz in der Burg Eltz vom 2. September bis 31. Oktober 1992) Koblenz 1991
    * Michael Schmitt: Die illustrierten Rhein-Beschreibungen. Dokumentation der Werke und Ansichten von der Romantik bis zum Ende des 19. Jahrhunderts [mit ca. 10.000 Nachweisen] Köln 1996. ISBN 3-412-15695-7
    *Hans Joachim Bodenbach: Christian Meichelt, Kupferstecher und Maler in Basel, Lehrer in Lörrach,- tätig auch für den Koblenzer Verlag Karl Bädeker (Baedeker), in: Badische Heimat, 4/2000, Freiburg i.Br. 2000, S.700-713. 7 Abb. {{ISSN|0930-7001}}, Herausgeber: Landesverein Badische Heimat e.V. Freiburg.
    * Hans Joachim Bodenbach: VUES DU BORDS DU RHIN. Ein Rheinalbum des frühen 19. Jahrhunderts mit Aquatinta-Stichen aus den Koblenzer Verlagen Fr. Röhling und K. Bädeker (Baedeker) in einem Band. - Die bei Röhling verlegten Ansichten. In: Bonner Geschichtsblätter, Band 49/50, Bonn 1999/2000 (2001), S. 285 - 304, mit 20 Abb. / davon 17 [im Original altkolorierte] Aquatinta-Stiche von Rudolf Bodmer. Bonn 2001
    *Hans Joachim Bodenbach: 200 Jahre Rheinromantik - VUES DU BORDS DU RHIN - Rheinansichten aus dem Verlag Karl Bädeker (Baedeker) in Koblenz, in: Beiträge zur Rheinkunde (Rhein-Museum Koblenz), Heft 54/2002, Koblenz 2002, S. 26-55, 30 Abb.
    * Matthias Schmandt: Rheinromantik, Begleitpublikation zur Ausstellung im Historischen Museum am Strom - Hildegard von Bingen. Binger Museumshefte. Bd 2. Bad Kreuznach 2002. {{ISSN|1617-0415}}
    * Helga Arend: Konkurrierende Frauenbilder in den Rheinsagen. In: Rheinreise 2002. Romantik, Reisen, Realitäten. Frauenleben am Rhein. Hrsg. von Bettina Bab und Marianne Pitzen. Edition Lempertz, Bonn 2002, S. 70-75. ISBN 3-933070-29-5
    * Alexander Thon: Zwischen Kunst und Kommerz, Irene Haberland - rezensionen.ch. ISBN 978-7788778871 [http://www.rezensionen.ch/buchbesprechungen/rheinbuecher/7788778877.html]
    * Mario Kramp, Matthias Schmandt (Hg.): Die Loreley - Ein Fels im Rhein. Ein deutscher Traum, Katalog-Handbuch zur Ausstellung, 214 Seiten mit 150 farbigen Abb., Mainz (Philipp von Zabern) 2004. ISBN 3-8053-3369-2
    * Klaus-Peter Hausberg: "Rheinische Sagen & Geschichten". Das Begleitbuch zum Rheinischen Sagenweg mit den bekanntesten und schönsten Sagen und Geschichten von Rhein, Mosel, Lahn und Nahe. Ergänzt durch touristische Informationen. J.P. Bachem Verlag, Köln 2005. ISBN 978-3-7616-1986-5
    * Der Rhein. Ein literarischer Reiseführer. Hrsg. v. Gertrude Cepl-Kaufmann, Hella S. Lange. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006. ISBN 978-3-534-18919-9
    * Karsten Keune (Hrsg.): Sehnsucht Rhein. Rheinlandschaften in der Malerei. Mit Beiträgen von Irene Haberland und Elmar Scheuren. Bouvier Verlag, Bonn 2007. ISBN 3-416-03096-6
    * Elisabeth Mick: "Mit der Maus auf Rheinreise - 2000 Jahre Geschichte von Düsseldorf bis Mainz". J.P. Bachem Verlag, Köln 2007. ISBN 978-3-7616-2069-4

    * Karsten Keune (Hrsg.): Der Rhein - Strom der Romantik, Gemälde aus der Sammlung RheinRomantik, 174 Farbabbildungen, Bonn 2011, ISBN 978-3-86568-733-3.

    Weblinks

{{Commons| William Tombleson}}
* [http://www.sammlung-rheinromantik.de Rheinlandschaften in der Malerei]
* [http://www.regionalgeschichte.net/mittelrhein/region/aktuelles.html Geschichte am Mittelrhein auf „regionalgeschichte.net“]
* [http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3620 Josef Wewerka: Rheinische Burgen und Sagen], Bilder und Texte
* [http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=4069 Adelheid von Stolterfoth: Rheinischer Sagen-Kreis, 1835], Texte
* [http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3682 Karl Christian Koehler: Ansichten von Rhein und Ahre]

* [http://www.eifel-und-kunst.de/homepage/malerdereifel/johann-adolf-lasinsky.htm Bilder zur Rheinromantik von J. A. von Lasinsky]

Einzelnachweise

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