Wittgensteiner Platt
Das Wittgensteiner Platt wird im Gebiet des Altkreis Wittgenstein gesprochen und gehört zu den oberhessischen Dialekten.
Durch die in Wittgenstein in den Flusstälern der Eder und Lahn siedelnden Franken wurde die hochdeutsche Lautverschiebung getragen. Die zweite deutsche Lautverschiebung wurde jedoch, wie in den benachbarten nassauischen und oberhessischen Dialekten, nur zum Teil vollzogen. Das Wittgensteiner Platt nimmt, in ähnlicher Weise vergleichbar mit dem Hinterländer Platt und Siegerländer Platt, eine Mittelstellung zwischen Nieder- und Hochdeutsch ein. Als zweite sprachliche Erscheinung besitzt das Wittgensteiner Platt auch die neuhochdeutsche Diphthongierung.
Nach Möhn und Weiershausen wird das Platt in einen nördlichen und einen südlichen Sprachbereich eingeteilt, der jeweils die Einflüsse der angrenzenden Regionen Westfalens bzw. Hessen und Nassaus enthält. Beide Sprachbereiche decken sich ungefähr mit den seit dem 16. bis ins 19. Jahrhundert existierenden Grenzen zwischen den Wittgensteiner Herrschaftsgebieten der Grafen von Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein.
Einordnung in die Zweite Deutsche Lautverschiebung
:p→ff/f - „p“ statt „pf“: nicht vollzogen. „Pfund“ → „Pund“, „Dampf“ → „Damp, „Apfel“ → „Appel“
:t→ss („dat/das“)„Dat“ → „Daos''“.
:k→hh/ch („ik/ich“) - „machen“ → „maochen“.
:'''/*d/→/t/ - "d" statt "t": nur zum Teil vollzogen. (Töpfchen → "D"ippche, Vetter → Pe"dd"er)
Beispiele
Sprichwörter, Sprüche
Wer hie hängerm Blügg stett, müssn wuannerschter dense. (Wer hier hinter dem Pflug steht, muss ihn andernorts ziehen.)Vo anner Laire Haire ess gütt Rieme schneire. (Von andrer Leute Haut kann man gut Riemen schneiden.)
Uff jedes Dippche basst e Deggelche. (Auf jedes Töpfchen passt ein Deckelchen.)
Kleene Deppcher hon ö Uhre. (Kleine Töpfchen haben auch Ohren.)
Gütt gefriehsteckt helft der ganze Dag, gütt geärntet dos ganze Juhr, unn gütt gefrëiet dos ganze Läwe. (Gut gefrühstückt hilft für den ganzen Tag, gut geerntet für das ganze Jahr, und gut geheiratet fürs ganze Leben.)
Wenns mul dreppelt, rants ö lichte, Laire su es dos, e de Wittgesteener Fichte werd ken Mensch net nass.(Wenn es erst einmal tröpfelt, regnet es auch leicht. Leute, so ist das, in den Wittgensteiner Fichten wird kein Mensch nass.)
O mei Katrinche heer mer mul züü, o dü mei Wittgestee, mei Wittgestee, mei Wittgestee,o dü mei Wittgestee, mei Wittgestee best dü. (Oh, mein Kathrinchen, hör mir mal zu, oh du mein Wittgenstein, ..., mein Wittgenstein bist du.)
Eine Wittgensteiner Losung lautet: "Wer hot da de Hückel met dem Wackel uff'm Wosse gezosselt, gedellwet, gedängelt, unn gedurängelt?" Variante: "Wos fern Gewaerrerschlag hot da de Hückel met dem Wackel uff'm Wose gezärrjet, gedellwet unn gedurängelt?" Wer das nicht verstehen oder sprechen kann,läuft Gefahr, als "Zügelöfener" betrachtet zu werden. (Blb/R)
Einige Regeln zur Grammatik
I. Zur Konjugation
...esch...sein.....wor.........weren sei........sein gewese....wor gewese.... ....weren gewese sei
...dü.......best....worscht...werscht sei.....best gewese....worscht gewese...werscht gewese sei
...hä ......ess.....wor...... ..wert sei..........ess gewese......wor gewese.........wert gewese sei
...mer.....sein.....wo(re)n...weren sei.......sein gewese.....wo(re)n gewese....weren gewese sei
...ehr .....seid.....wort........wert sei.........seid gewese.....wort gewese........wert gewese sei
...se.......sein.....wo(re)n....weren sei......sein gewese.....wo(re)n gewese...weren gewese sei
(Bei allen "o"- Laute klingt ein verhaltenes "a" mit; "gewese" : das "e" der zweiten Silbe geht nach "ä".)
Konjunktiv Perfekt: esch wer gewese, u.s.w.
...esch... hon......hatt.......weren hon.....hon gehatt.......hatt gehatt..........weren gehatt hon
...dü...... host.......harrest...werscht hon....host gehatt......harrest gehatt.....werscht gehatt hon
...hä...... hott........hatt.......wert hon..........hott gehatt......hadde gehatt.......wert gehatt hon
...mer.... honn......harren....weren hon........hon gehatt....harren gehatt.......weren gehatt hon
...ehr..... hott........harret....wert hon..........hot gehatt.......harret gehatt........wert gehatt hon
...se...... hon......harren....weren hon.......hon gehatt.....harren gehatt.......weren gehatt hon
("Weren" in der ersten Silbe, "werscht" und "wert" mit nach "ä" gehendem "e".)
Konjunktiv Perfekt. esch hett gehatt, u.s.w.
a) Indikativformen für Präsens, Imperfekt, Futur I, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II
b) Zur zweiten Person im Singular: Ein nachgestelltes "dü" wird regelmäßig zu "de" abgeschwächt. ("Host de da goar kee Zeit mieh fer mech?" - Hast du denn gar keine Zeit mehr für mich?) Verwendet man an dieser Stelle "dü", so klingt es betont. ("Worscht dü da ö du?" - Warst du denn auch da?)
c) Zur dritten Person im Singular:
aa) es gibt auch "se" (sie) und "es", "äs".("De Zeje, se ess werra mul außer Rand unn Band!" - Die Ziege, sie ist wieder einmal außer Rand und Band.) Man kann statt dessen - oft eher - den bestimmten Artikel "die", "dos" verwenden. ("Dos ess unnerwägs num Stenzel." Sie ist unterwegs zum Stünzelfest.)
bb) In der dritten Person Singular Präsens zu "sein" findet bei nachgestelltem "es" eine Lautumwandlung in "r" statt. ("Mer ärres net gütt." - Mir ist nicht gut. Aber: "Es ess mer net gütt." - Es ist mir nicht gut. "Nirgendwu ärres su schee, als wie e Wittgestee!" - Nirgendwo ist es so schön wie in Wittgenstein." Aber: "Es ess schee e Wittgestee." - Es ist schön in Witgenstein.)
d) Das Platt kennt und ermöglicht den differenzierten Gebrauch der Tempora. ("Mer weren als lange o Ort unn Stelle gewese sei, ender die annere dro geducht hon, ins du ze süche." - Wir werden längst an Ort und Stelle gewesen sein, bevor die anderen daran gedacht haben, uns dort zu suchen.) Im Gebrauch findet jedoch wie im Hochdeutschen eine Reduzierung statt.
...esch...gücken..gückte.....weren gücke...hon gegückt...hatt gegückt...weren gegückt hon
...dü.....gückst....gücktest...
...hä.....gückt......gückte.......................u,s.w., siehe "hon - haben"
...mer...gücken...gückten....
...ehr....gückt......gücktet....
...se.....gücken..,.gückten....
Konjunktiv Perfekt: esch hett gegückt, u.s,w,
a) Indikativformen für Präsens, Imperfekt,Futur I, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II eines regelmäßigen Verbs ohne Passiv
b) Die nicht ausgeschlossene Form "esch gückte" unterscheidet sich nicht vom Indikativ Imperfekt. Die Anwendung von "dünn" - tun, "deet" - täte u.s.w. ist trennschärfer. Kein "würde".
II Zur Deklination
a) Anstelle des Genitiv tritt der Dativ mit nachfolgendem Possessivpronomen (z.B.: „meinem Brürer sein Hüt“ – der Hut meines Bruders; „Dos es dem sei Bild“. – Das ist dessen Bild.) oder es wird das Wort „von“ verwendet (z.B.: „de Fraa vom Heiner“ – Heiners Frau).
Es scheint Ausnahmen zu geben. So heißt es in dem Gedicht „Eiersorgen“ von Werner Schmidt: „…des Reinhards Weib, dos Katharine.“ Und Florentine Goswin-Benfer reimt:"...met der Bärge steller Rüh",und "... deiner Mensche Härz schlehd worme,..." Es muss offen bleiben, ob es sich um einen durch den Rhythmus und den Vers bedingten Tribut an das Hochdeutsche handelt.
b) Akkusativ und Nominativ fallen zusammen (z.B.: „Hä nahm der Hüt unn ging.“ – Er nahm den Hut und ging. „Krijje ma ins noch eener!“ – Trinken wir noch einen!)
2. Unbetonter und betonter bestimmter Artikel
Der bestimmte Artikel kommt unbetont und betont vor.
a) Der unbetonte bestimmte Artikel lautet:
Nominativ:...da Junge (mit Tendenz des "a" zu "er"), m. - der Junge.....de Treppe, f. - die Treppe.....dos Haus, n. - das Haus
("Da Junge ess noch klee." - Der Junge ist noch klein. "De Treppe ess hug." - Die Treppe ist hoch. "Dos Haus hot e Schewwerdach." - Das Haus hat ein Schieferdach.)
Dativ:...demm Junge - dem Jungen....da Treppe - der Treppe.....demm Haus - dem Haus
("Dos Fōhrrōd gehatt demm Junge." - Das Fahrrad gehört dem Jungen. "Dos stunn uff da Treppe..."
- Sie stand auf der Treppe. "Dos Dach vom Haus..." Das Dach des Hauses... )
bb) Plural (Mehrzahl):
Nominativ:...de Jungen - die Jungen.....de Treppe - die Treppen.....de Haiser -die Häuser
("De Jungen speelen gäre Füssball." - Die Jungen spielen gerne Fußball. "De Treppe vērm Haus sein em Wänter immer glōd." - Die Treppen vor dem Haus sind im Winter immer glatt. "De Haiser ō da Ara em Unnerdorf..." - Die Häuser an der Eder im Unterdorf...)
Dativ:...dä Junge(n) - den Jungen.....dä Treppe(n) - den Treppen.....dä Haiser - den Häusern
"Du kunne met dä Junge net henn fohre." - Dahin konnte er mit den Jungen nicht fahren. "Mer sassen e Rom uff dä spanische Treppe unn lissen's ins gütt gen." - Wir saßen in Rom auf den spanischen Treppen und liesen es uns gut gehen. "Ewwerall hingen Plakate o dä Haiser." Überall hingen Plakate an den Häusern.
b) Außerdem gibt es einen betonten bestimmten Artikel.
"De Treppe hot zāh Stūfe." - Die Treppe hat zehn Stufen. ("De Treppe" mit unbetontem Artikel.) Aber:" Die Treppe hot zāh Stūfe." (Die Treppe hier hat zehn Stufen. "Die Treppe" mit betontem Artikel.
"Dos Haus lejjet uf der Hēh." - Das Haus liegt auf der Höhe. ("Dos Haus" mit unbetontem Artikel.)Aber: "Dos ess dos Haus uff der Hēh, vō demm sū vēl e da Zeiringe stett." - Das ist das Haus auf der Höhe, von dem so viel in der Zeitung steht. "Dos Haus mit betontem Artikel.)
Die betonte Form spielt die Rolle eines Demonstrativpronomens und kann dementsprechend auch mit "derren", "derre", "detz" (dieser, diese, dieses) gesprochen und damit ggf. noch stärker betont werden, also: "Derren Wäg gett nū Rëinthe." "Derre Treppe hot zāh Stūfen." "Detz Haus uff der Hēh, vō demm su vēl ē da Zeiringe stett ..."
III. Personenbezeichnungen
2. Derartige Bezeichnungen beginnen:
a) herkömmlich, falls vorhanden, vorzugsweise mit dem Hausnamen (z.B.: „Wosse Minche“ – Wilhelmine Aderhold aus dem Haus mit dem Hausnamen „Wosse“ in Hemschlar; „Gasse Willi“ – Willi Dickel aus dem Haus mit dem Hausnamen „Gasse“ in Raumland),
b) oder mit der Bezeichnung des Ortes, aus dem der Betreffende kommt (z.B.: „da Schellasche Ernst“ – Ernst Born aus Schüllar); bei dem Ort muss es sich nicht notwendig um den Wohnort handeln; es kommt beispielsweise auch der Geburtsort in Frage, z.B.:(„da Rëinthaschbächer Heiner“ – Heinrich Born vom Hof Rinthersbach, Ortsbezeichnung, wohnhaft in Raumland),
c) oder auch mit dem bürgerlichen Familiennamen (z.B.:“ Althaus Willi“ – Willi Althaus).
An den vorangestellten Hausnamen oder die vorangestellte Ortsbezeichnung wird kein s angehängt. Anders bei dem vorangestellten bürgerlichen Familiennamen: „Langes Emma“ – Emma Lange; „Raths Karl“ – Karl Rath. Es könnte sich hier – ausnahmsweise – um ein Genitiv –S handeln.
3. Vornamen werden in der Regel anders als im Hochdeutschen mit dem bestimmten Artikel gesprochen (z,B.: „Da Fretz nahm sich e Düsch“ – Fritz nahm sich ein Tuch. „Da Hasselasche Peter wor du“ – Peter vom Heßlar war da. Möglich aber auch ohne Artikel: „Mannes Heinz hot e Paad“ - Heinz Limper aus dem Haus „Mannes“ hat ein Pferd. Wann diese Ausnahme möglich ist, scheint durch Konvention ohne Regel festgelegt; so kann man wohl nicht sagen:“Hasselasche Peter hot e Paad.“)
4. Frauennamen sind sächlich (z.B.: „‘s Kathrinche es kraank“ – Katharina ist krank. „Dos“ in Kurzform: „‘s“. „Inse Janche es e Balleburg“ – Unsere Christiane ist in Berleburg. „Inse“ ist sächliches Pronomen; z.B.: „inse Haus“.) Das gilt auch für die Konjugationen („`s Lina es du. `s setzt e da Stuwwe.“ – Lina ist da. Sie sitzt in der Stube.)
Vgl. zu Vorstehendem verwandt :das Siegerländer Platt.
Ähnlich bei dem personenbezogen oder demonstrativ benutzten bestimmten Artikel (z.B.: „Dos Kleene – daff dos dos?“ – Die Kleine – darf sie das?)
Vorherrschende Anrede ist „dü“ –du. Kein „sie“. Ältere Personen wurden früher, gerade auch im familiären Bereich mit „ehr“ –„ihr“, „üch“- euch,"öwwen"- Euer angesprochen. Vielleicht empfiehlt sich das noch bei höher Gestellten.
Statt "bitte" kann man sagen:"Sei su gütt!" - Sei so gut! ("Hä saht werra sei Fraa: Sei doch su gütt unn geb ma dos Büch!" Er sagte zu seiner Frau. Bitte, gib mir das Buch.) Zu den Grußformen: s. bei dem Wort "gütt".
Verkleinerungen bildet man mit „-che“, -cha", das eventuell auch „-je“ gesprochen werden kann. Im Plural wird ein „r“ angehängt. Eventuell auch Änderungen im Stamm des Hauptwortes. (z.B. „Haus“ -„Hais`che“ – „Hais`cher“; „Känd“ – „Kändche“ – „Kännercher“)
Man kann wie bei der sog. Rheinischen Verlaufsform sagen: "Dos ess om Schlofe unn rifft glech o." - Sie schläft gerade und ruft gleich an. Man kann aber auch "dünn" - tun mit dem Infinitiv verwenden: "Hä düt gäre koche." - Er kocht gerne.
Das Bestätigung heischende Fragewort lautet: "woa ?" ("Dü host mech doch gere, woa?" - Du hast mich doch gerne, nicht wahr?) Wenn ein mit Platt Aufgewachsener Hochdeutsch spricht, sagt er statt dessen oft nicht etwa "nicht wahr?", sondern "woll?"
1. Für Wittgensteiner Zungen scheint das Sprechen von "d" und "t" in zweiter oder späterer Silbe ohne Reiz zu sein. Sie verwandeln diese Buchstaben gerne in "r" oder "rr". Vergleichbares gilt für "s" - Kombinationen. Dabei sind viele derartige "r" - Umwandlungen obligatorisch; manche sind aber auch bloß optional.
2. Beispiele für obligatorische Umwandlungen sind:
"harrest" - hattest, "werra" - wieder, "nerra" - nieder, "Gürres" - Gutes, "Hiere" - Hüte,"nerr" (Fe) - nicht, "gearr" (Fe) - geht, "lŏre" - laden, "schbere" - spät, "derren" - dieser, u.s.w.
3. Beispiele für optionale Umwandlungen, bei denen man also beide Versionen sprechen kann, sind:
"sahre" - sagte er, statt: "saht hä" oder "sahten de/ die"("E Wittgestee sahren de Laire seit eh unn je 'Machs gütt' beim ausenanna geh." - Trude Koch - In Wittgenstein sagten die Leute seit eh und je 'Machs gut' beim Auseinandergehn.) "merrem" - mit dem, statt: met demm (De Schellarsche Mare sein su stulz, die gen noch om Sunndag merrem Schrübba ee d's Hulz!" - Die Mädchen aus Schüllar sind so stolz, sie gehen noch am Sonntag mit dem Schrubber in den Wald!)"herre", statt: "hett hä" ("Wenn da Hund sech gütt benomme hett, herre der Hōse kreje." - Wenn der Hund sich gut benommen hätte, hätte er den Hasen gefangen.)"ärres" statt ess es (Ē Wittgestee, du ärres schee! - In Wittgenstein ist es schön!) u.s.w.
Wortschatz
In der kleinräumigen Sprachlandschaft gibt es oft von Ort zu Ort Unterschiede in der Fassung und Aussprache einzelner Worte. So finden sich beispielsweise für "Patin" "Gorrel","Gōte" und "Gūte". Im folgenden steht Blb/R für Bad Berleburg/Raumland, Fe für Feudingen; Raumland liegt im nördlichen Sprachbereich (Eder), Feudingen im südlichen (Lahn). Der so gekennzeichnete "Wortschatz" dürfte sich allerdings so oder so ähnlich im ganzen Wittgensteiner Land finden. Eine andere Frage ist es, ob und wie weit einzelne Vokabeln noch - soweit Platt gesprochen wird - im Gebrauch oder nur noch älteren Zeitgenossen geläufig sind,wie beispielsweise die Wörter aus dem bäuerlichen Bereich. Die Feudinger Wortbeispiele stützen sich auf die Veröffentlichung von Christian Hackler, Feudingen in seiner Mundart. Die Anwendungsbeispiele folgen, soweit nichts anderes ersichtlich ist, der Raumländer Version.
(f.- femininum, weiblich; m. -masculinum, männlich; n.- neutrum- sächlich; Pl. - Plural,Mehrzahl;ĩ,ē,ã,õ,ū - lange Vokale)
Āje(Blb/R), Ääje (Fe) n. - Ei; Pl.: Eier (Eierküsche, Eierdaans, Eierstock)
als, Fe auch; scho - schon ("Esch well als/scho naut mieh sah." - Ich will schon nichts mehr sagen.)
Āmpeetze (mit nach "o" gehendem, langem "a")(Blb/R),Ambese (Fe) f.- Ameise
Āra, f. - Eder
arisch(Blb/R), arig (fe) - arg, sehr ("Dä ess awwer arisch verkräsche." - Der ist aber sehr verschrien.)
awwer (Blb/R, Fe) - aber
baale(Blb/R, Fe) - bald
Beckse (Blb/R), Besse (Fe) f. - Bückse, Pl.: Beckse
bëise (Blb/R, Fe) - beißen, bess, gebesse (mit nach "ä" gehendem "e")
Berg (mit nach "ä" gehendem "e", Blb/R),Bea(r)g (Fe)m. - Berg, Pl.: Berje, Bärge
bestōre, sech (Blb/R, Fe) - heiraten (esch bestōren mech, dü/du bestottst dech...) ; bestott - verheiratet. Das Hochdeutsche "bestatten" heißt dagegen: "begrawe" (Blb/R), "begrowe" (Fe)
Blōd (mit langem offenen "o", Blb/R), Bloat(Fe) n. - Blatt, Pl.: Blarra
bleiwe - bleiben; bleeb, gebleewe
Blüd (mit härterem "d", Blb/R), Blut (Fe)n. - Blut
Botter (mit geschlossenem "o",Blb/R), Bodder (Fe)f. - Butter
Brieh (Blb/R, Fe),f.- Brühe, auch: Jauche
Briehloch(Blb/R, Fe), n. - Jaucheloch ("Dos Briehloch veerm Stall ..." - Das Jaucheloch vor dem Stall...)
Briehfass(Blb/R, Fe),n. - Jauchefaß
britte(Blb/R, Fe) - brüten; britt, gebritt; ("Dos Hinkel britt." - Das Huhn brütet.) brittsch (In der Wendung:"De Glotze es brittsch." Die Glucke ist brütig, reif zum Brüten. "Dos brittsche Hinkel"...Das mannstolle Mädchen)
buwwer(Blb/R) - über, auch: ewwer
dā (Blb/R, Fe) - denn. "Da" ist als Abtönungspartikel geläufig, ("Wuhenn gest de dā?" - Wohin gehst du denn? "Kannst de da nett schwimme?" - Kannst du denn nicht schwimmen?) jedoch, anders als "denn" im Hochdeutschen, nicht in kausalen Konjunktionen. Für diese steht "weil". ("Mer sein nee gegange, weil es wor döise ze kaalt." - Wir sind hinein gegangen, denn es war draußen zu kalt.) Das hochdeutsche Lokaladverb "da" lautet mundartlich "dū"(Blb/R), "dō"(Fe) - s. dort.
dängele (Blb/R) - trampeln, herumtreten; die Sense dengeln heißt dagegen "hoore", s. dort
dat (Blb/R), deatte (Fe) - dort
dathenn (Blb/R), deattehenn (Fe) - dorthin
dathēr (Blb/R), deattehēr(Fe) - dorther
datunne (Blb/R), deatteunne (Fe) - dort unten
Deckel (Blb/R), Däckel (Fe) m.- Deckel
Deere (Blb/R),Deer f. - Tür
dellwe (Blb/R) - würgen
dense (mit nach "ä" gehendem "e", Blb/R), deanze (Fe) - ziehen
Deppe (Blb/R, Fe) n. - Topf; Deppche, Dippche,n. - Töpfchen
Desch (Blb/R), Dösch (Fe), m. - Tisch, Pl.: Desche, Deische
despediere, sech(Blb/R, Fe) - sich disputieren ("Se disputieren sech")
dewerscht - durcheinander, verwirrt sein ("Esch sein ganz dewerscht.")
dichte (BlbR, Fe) - In der Wendung: "Dü best net ganz dichte." - Du bist ungescheit.
do (Fe) -da
dohenn (Fe) - dahin, s. duhenn
döise(Blb/R, Fe) - draußen ("Döise veer der Deere ess nimmend." - Draußen vor der Tür ist niemand.)
Dormel (Blb/R, Fe),m. - Schimpfwort, wörtlich: Taumel; schlaftrunkener, desorientierter Mensch ("Dü Dormel!" "Dä Dormel kann noch net mul bis drei zehle." - Der Dormel kann nicht einmal bis drei zählen.
Dormeldier(Blb/R, Fe) - Schimmpfwort, wörtlich: Taumeltier
dormelisch - taumelig, verwirrt
Doscht (mit nach "a" gehendem "o",Blb/R),Doarscht (Fe)m. - Durst
Dreppche (Blb/R), n. - Tröpfchen
Droppe (Blb/R, Fe) ,m.- Tropfen
dreppele 8Blb/R,Fe) - tröpfeln; dreppelte,gedreppelt
du (Blb/R)- da. Das hochdeutsche "du" lautet mundartlich "dü" (Blb/R), "du" (Fe)
Duffel (Blb/R),Doffel f. - Kartoffel; Pl. Duffel (Blb/R), Doffel(n) (Fe)
duhenn (Blb/R), dohenne (Fe)- dahin. Mundartlich trennt man bei Wörern mi "du" gerne. ("Du ärre henn gegange." Dorthin ist er gegangen.)
Dunge (Blb/R), f.- Butterbrot, auch: Runge
dünn (Blb/R), duh (Fe) - tun (Blb/R: ech dünn, dü düst, hä dütt u.s.w.; doot - dü doorest, gedooh - jeweils mit leicht nach "a" gehendem, langem "o";; Fe: esch du, du dusst, hä dutt, mer du u.s.w.; doat du doarest, gedooh)
durängele (Blb/R) - (halb)tot schlagen
dinne (Blb/R), denn (Fe)- dünn
dūne - dicht,auch: betrunken ("Da Josch wor awwer mul werra ganz schee dūne." - Georg war aber wieder einmal ganz schön betrunken.)
Eje (Blb/R),Ääje (Fe)f. - Egge
ēmūl (auf der ersten Silbe betont, Blb/R), āmōl(Fe) - einmal ("Ēmūl ess kēmūl." - Einmal ist keinmal.)
esse (erstes "e" nah ä gehend, Blb/R, Fe) - essen; ass, (ge)gesse (mittleres "e" nach "ä" gehend)
essig (Blb/R,), ässig (Fe) - in: "De Küh ess essig." - Die Kuh ist brünstig (ochsig).
ewwer (Blb/R Fe)(Blb/R), eawwer (Fe) - über, auch: buwwer'''
ewwerall(Blb/R), eawwerall (Fe) - überall
Färschter(Blb/R), Fearschter (Fe),m. - Förster
fa(r)schterlich(Blb/R), ferschterlich (Fe) - fürchterlich
Fenger(mit nach "ä" gehendem "e" Blb/R) Feanger (Fe), m. - Finger, Pl.: Fenger (Blb/R), Feangern (Fe). ("Dä mecht keen Fenger krumm." - Der macht keinen Finger krumm.)
fer ( mit nach "a" gehendem "e", Blb/R), feer(Fe) - für
Fēringe (Blb/R), Färje (Fe) - Feudingen
Flejel (Blb/R) m. - Flügel
Flēsch (Blb/R, Fe),n. - Fleisch
Flette(Blb/R, Fe), f.''' - Flügel
Fraa(Blb/R, Fe)f. - Frau; Pl. Weiweslaire,f.. Weiwer hat einen eher abschätzigen Beiklang.
fōhre (Blb/R), fohrn (Fe) - fahren, (Blb/R: esch fohren, dü färscht, hä fährt, mer fohren, ehr fohrt, se fohren ;fiehr, gefohre. Fe: esch fohrn, du fearscht, hä feahrt, mer fohrn, ehr fohrt, se fohrn; fuhr, gefohre)
Fōhrrōd,n. - Fahrrad, Pl. Fōhrrarrer. Fe alt auch: Schneallroad
frēre,friere (Fe) -frieren; froar, gefroare
frieh (Blb/R, Fe) - früh ("Esch wor als frieh unnerwägs." Ich war schon früh unterwegs.)
Friehjuhr (Blb/R),Friehjohr (Fe) n. - Frühjahr, Frühling
frijjer (Blb/R) frieher(Fe) - früher
frō (Blb/R, Fe))- fragen; frōte ("mer frōren" - wir fragten), gefrōt
fürrere (Blb/R), furrere (Fe)- füttern ("Esch fürrern d's Vieh." - Ich füttere das Vieh.)
Füss (Blb/R), Fuss (Fe) m. - Fuß, Pl.: Fisse
Füssball (Blb)R), Fussball (Fe), m. - Fußball
gaalere (Blb/R, Fe) - herumalbern, herumkaspern
Gänster(Blb/R),Geanster (Fe)m. - Ginster
Gänsterfärschter,m. - Hobbyförster
gatze (Blb/R) - gackern
Gehannstroume(Fe) - Johannisbeere, Blb/R: Hannsjubeere
gehēre (Blb/R), geheare - gehören; (Blb/R: esch gehēren, dü gehērscht, hä gehatt,...("Hä gehatt dat net hen." - Er gehört dort nicht hin.)
ge (Blb/R, Fe) - gehen (Blb/R. esch gen, dü gest...; Fe. esch ge,du geest...) ging, gegange
gewenne( mit nach "ä" gehendem "e",Blb/R), geweanneFe) - gewinnen; Blb/R: gewunn, gewunn(e), Fe. gewonn, gewonn
Gewaerrer,n. - Gewitter
Gewaerrerschlag,m. - Gewitterschlag (Im Gebrauch als abfällig, aber eher liebevolle Kennzeichnung einer Person ("Wos hot dä Gewaerraschlag da nü als werra ogestellt?" - Was hat der Lausejunge denn nun schon wieder angestellt?)
Gickel, m. - Gockel
glienisch (Blb/R), gliehnig (Fe) - glühend ("Dos Eise ess glienisch hees." - Das Eisen ist glühend heiß.)
Gnatz (Blb/R, Fe) m. - 1. Ein Brot, das nicht gegangen ist ("Dä Gnatz kemmt mer zum Hals eraus!" - Der "Gnatz" kommt mir zum Hals heraus.) 2. Unsauberkeit (Hä hot Gnatz uff'm Kopp - Er hat Schmutz auf dem Kopf.)
göitze(Blb/R, Fe) - 1. rülpsen ("Göitz net su laut." - Rülps nicht so laut.) 2. anraunzen ("Göitz mech net su ō!" - Raunz mich nicht so an!)
Goschtee, (Blb/R, Fe)m. - Spülstein
Gōte (mit nach "u" gehendem, langem "o")(Blb/R),f.- Patentante
Glotze,(mit geschlossenem "o")(Blb/R, Fe)f.- Glucke
gücke (Blb/R), gucke (Fe)- gucken
gütt (Blb/R), gutt (Fe) - gut ("Dos Büsch es gütt." Aber: "Dos es gürre Botter." "Dos sein gürre Laire." "Mer ärres net gütt!"- Mir ist nicht gut!) Folgende Grußformen: "Ge Morje" - Guten Morgen, "Gun Dach" -Guten Tag, "Gen Owend" - Guten Abend, "Ge Nocht" - Gute Nacht, "Machs gütt" - Machs gut, Auf Wiedersehen, als früher allgemein üblicher Abschiedsgruß.)
Gulrawe (Blb/R, Fe) - Kohlrabi)
hänner (Blb/R),heanner (Fe)- hinter
Haihepper, (Blb/R), Hahepper (Fe) m. - Heuschrecke, Heuhüpfer
Haand (Blb/R, Fe)f.- Hand, Pl.: Hänge (Blb/R), Hänne (Fe)
Harwest (Blb/R), Herwest (Fe) m. - Herbst
Hatz (mit nach "er" gehendem "a" Blb/R), Herze (Fe) n. - Herz, Pl. Härze
Haus (Blb/R, Fe) n. - Haus, Pl.: Haiser (Blb/R) ,Häuser (Fe)
haure (Blb/R, Fe) - heute
heere(Blb/R), hearn (Fe) - hören (Blb/R: esch heeren, dü heerscht...Fe: esch hearn, du hearscht ...); hotte, gehott
Hēmet (Blb/R), Hamet (Fe)f. - Heimat
heeme (Blb/R), haam (Fe) - nach Hause ("Heeme gen mer net."- Nach Hause gehn wir nicht.
Häufiger auch mit "nu","no" - nach - verbunden: "nu/no heeme/haame"). "deheeme" (Blb/R),dehaame (Fe) - zu Hause
henn (BBlb/R, Fe) - hin
hiere (Blb/R, F) - hüten; auch: sech hiere - sich hüten.("Esch hieren d's Vieh uff da Wesse o da Ara." - Ich hüte das Vieh auf der Wiese an der Eder.) Blb/R: hütte,gehütt ("Da Fretz hot de Zeje gehütt." - Fritz hat die Ziege gehütet.) ("Esch weren mech hiere." - Ich werde mich hüten.)Fe.: hutte, gehutt
Hinkel (Blb/R),n. - Huhn, Plural: Hinna. Fe.: Huh', s. dort
Hoh (Blb/R, Fe) m. - Hahn
hon (mit kurzem, offenen "o", Blb/R, Fe) - haben, s. Konjugationen)
hoore (Blb/R, Fe) - dengeln ("Hä hoort de Saanse." - Er dengelt de Sense.)
huckele(Blb/R) - auf dem Rücken tragen,huckelte, gehuckelt; auch hückele
Hückel (Blb/R),Huckel(Fe)f.- Frosch, Kröte
Huh(Fe) n.. - Huhn, Pl.: Hinner (Fe)
Hüt (Blb/R,) Hut(Fe) m. - Hut, Pl.: Hiere
hūg (Blb/R), hok (Fe) - hoch ("Du getts hug her." -Da geht es hoch her.)
Hund (Blb/R), Hond (Fe), m. - Hund, Pl.:Hunne
Hūr (Blb/R) - Haar; Pl.: Hūre ("Haure morje wünn mei Hure awwer mul werra net lejje, saht der Peter veerm Spijjel." Heute morgen wollen meine Haare aber wieder einmal nicht liegen, sagte Peter vor dem Spiegel.) Die "Hure" der Hochsprache ist "e Hüre" oder "dos Hüremensch" (Blb/R, "Huremänsch" (Fe)
Huse Blb/R),Hose (Fe)f. - Hose
Huseschisser(Blb/R,),Hoseschesser (Fe)m. - bezogen auf Kinder: wohlwollende Bezeichnung ("Die kleene Huseschisser spēlen em Hōb." - Die kleinen ... spielen im Hof.) Bezogen auf mannbare Wittgensteiner: eine erlesene Beleidigung: ein ausgemachter Feigling, ein besonders weiches Weichei
immend(Blb/R), immet (Fe) - jemand
insen- unser (insen Karl, m.); inse Küh, f., inse Haus, n.
itzt, itzend (Blb/R), etze (Fe)- jetzt
Irra (Blb/R), Irrer' (Fe)n. - Euter ("Dü aales Irra." - Du altes Euter. Schimpfwort)
Jipp(Blb/R),Jacke (Fe)m. - Jacke
Juhr (Blb/R), Johr (Fe) n. - Jahr
Junge(Blb/R), Jonge (Fe) m. - Junge, Pl. Junge(n)
Kkaalt (Blb/R, Fe) - kalt
Kann(e) Blb/R, Fe)f. - Kanne,Pl.: Kanne
keiwele(Blb/R) - 1. kauen, 2. knatschen, vor sich hin maulen; keiwelte, gekeiwelt
Kend (mit nach "ä" gehendem "e", Blb/R), Keand(Fe)n. - Kind, Pl.: Kenne (Blb/R), Keanne (Fe)
Keppche (Blb/R),Käppche(Fe)n. - Tasse ("E Keppche Kaffie" - Eine Tasse Kaffee.)
Kesche (Blb/R), Köche (Fe) f. - Küche
kinne(Blb/R, Fe) - können; esch kann,esch kinn, mer kinnen ("Esch kinn mech krumm lache." - Ich könnte mich krumm lachen.); kunn, gekunnnt
klee(Blb/R), klaa (Fe) - klein ("Dos sein kleene Laire." - Das sind einfache Leute. Fe: "kläne Laire")
Knerwes (Blb/R, Fe) m. - Obstkerngehäuse
komme (Blb/R, Fe) - kommen, (esch kommen, dü kemmst, hä kemmt, mer kommen, ...), kōm, gekomme
knottere (Blb/R, Fe) - nörgeln (esch knottern, dü knotterscht,...)
Knotterpott, Knottersack (Blb/R, Fe)m. - Nörgler
Korrer (Blb/R),Körrer(Fe)m. - Kater, Pl.: Korrer
Kopp (Blb/R, Fe) m. - Kopf, Pl.: Keppe (Blb/R), Käppe (Fe)
krijje (Blb/R) - kriegen; kreeg (Blb/R), kräg (Fe), (ge)kreeje.("Krijje mer ins noch eener!" - Trinken wir noch einen!"); sech met immend krijje - sich mit jemand streiten, auch handfest; Imperativ: krigg dech ("Krigg dech doch met dä Balleburger Jungen, sahre unn gabb mer sein Kreckestock." - Schlag dich doch mit den Berleburger Jungen, sagte er und gab mir seinen Krückstock.)
krische (Blb/R), kreasche (Fe) - schreien, kreischen; kräsch (Blb/R), kreasch (Fe),gekräsche (Blb/R), gekreasche (Fe); ("Krisch der net de Lunge aus demm Hals!" - Schrei dir nicht die Lunge aus dem Hals.)
Küh(Blb/R), Kuh (Fe) f. - Kuh, Pl.:Kieh
Küsche(Blb/R), Kuchche (F)m. - Kuchen
Külebber,m. (Blb/R) - Kaulquappe; Fe: Deckkopp
Laa (Blb/R), Läh (Fe) f. - Lahn
Laire (Blb/), Leure (Fe) f. -Leute
Laand (Blb/R, Fe) n. - Land, Pl.: Lanner (Blb/R), Länner (Fe)
lejje (Blb/R, Fe) - liegen, ("Dos lejjet mer om Hatze."- Blb/R - ...leit mer...- Fe - Das liegt mir am Herzen..)
Lepper (Blb/R) m. -junger Ochse ("Wenn dä Lerrije sech net baale bestott, kemmte e d's Lepperbüch." Wenn der Junggeselle nicht bald heiratet, kommt er in das "Lepperbuch".
Lerrije" (Blb/R, Fe) m., n.''' - da Lerrije: der Junggeselle; dos Lerrije: die Jungfer
Letter (Blb/R, Fe)f. - Leiter
lichte (Blb/R), lechte (Fe)- leicht
lorre(Blb/R, Fe) - (herum)schreien
Lorbass (Blb/R, Fe) m. - Schreihals'''
losse (Blb/R, Fe)- lassen,(Blb/R: esch lossen, dü lesst, hä lesst,mer lossen,...Fe: esch losse, du lösst...) liss, gelosse
Magulwes (Blb/R), Magolwes (Fe) m. - Eichelhäher
Mādche(Blb/R), Mädche (Fe) n. - Mädchen; Pl. Māre, Marerscha
Mann (Blb/R, Fe)m. - Mann; Pl.: Blb/R Manner, Fe Männer; eher oft Mannslaire
Maus, f. - Maus, Pl.: Maise
Meckes (Blb/R, Fe) m. - etwa: Herumtreiber; Hackler für Fe: Macker; Pl.: Meckesser (Schimpfwort)
Mensch (Blb/R, Fe) m. - Mensch, "en/da Mensch" m. - der/ein Mensch, Pl. Mensche. Aber: e/ dos Mensch n. - wörtlich: das Mensch, ein Mensch; abschätzig für Frau, Pl. Menscher.
Modder (mit einem härteren "dd", Blb/R, Fe)f. - Mutter
mon (Blb/R), moan (Fe), - morgen (monse Morje - morgen früh, ewwermonsemorje - übermorgen früh. "Mon/Morje foahrn ma heme" - morgen fahren wir nach Hause))
Morje(Blb/R, Fe)m. - (der) Morgen ("En scheener Morje" -ein schöner Morgen.)
Meste (Blb/R, Fe)f. - Ort des Misthaufens, , Düngerstätte
Mäst(Blb/R), Meast (Fe) m. - Mist
Mästflijje (Blb/R), Meastflijje (Fe) f.- Mistfliege
Mucke, (Blb/R)f. - säugende Sau, Mutterschwein
müsse (Blb/R), musse (Fe)- ich muß; Blb/R:müsste, Fe: musste; Blb/R: gemüsst, : gemusst
naut(Blb/R) - nichts; im Gebrauch auch "nix", das aber kaum dem mundartlichen Bereich, sondern eher der allgemeinen deutschen Umgangssprache zuzurechen ist. ("Hä kann naut dafer." - Er kann nicht dafür.)
nemme (mit nach "ä" gehendem "e")(Blb/R), nomme (Fe) - nehmen, (Blb/R: esch nämmen, dü nemmst, hä nemmt, mer nämmen...Fe: esch nomme, du nemmst, hä nemmt, mer nomme ,,,); Bl/R: no(a)hm Fe: nohm; Blb/ R, Fe: genomme
net - nicht
nimmend(Blb/R), nimmet (Fe) - niemand
Öje (Blb/R). Eage (Fe) - Auge ("Hä sieht der Balke e seim Öje net." - Er sieht den Balken in seinem Auge nicht. "Komm mer net mieh unner de Öje!" - Komm mir nicht mehr unter die Augen.)
Osse"(Blb/R), Oasse''' (Fe) - Ochse
P
Patz, (mit einem "e" nahen "a")(Blb/R)m. - Gehege, Auslauf, z.B. für Hühner ("Hinnapatz")
Panner(Blb/R), Peanner (Fe)m. - Pfarrer
Peel, (Blb/R)m. - Deckbett, Pfühl. Kāwepeel
Pëife,f. - Pfeife
pëife - pfeifen, peff, gepeffe (mit nach "ä" gehendem "e")
Petter(Blb/R), Pädder (Fe)m. -Patenonkel; Fe:Pädderche n. (Fe) - Patenkind
Plaster, (Blb/R)n. - Pflaster
plecke (Blb/R) - pflücken
Plück (Blb/R),Blügg, m. - Pflug
Porrwesse, (Blb/R)f. - Pfarrwiese
Prömme, Quatsche (mit nach "e" gehendem "a")(Blb/R)f. - Pflaume, Zwetschge
Rā,m. (Blb/R) - Regen
Rawe,m. - Rabe
Raweirra,n. - etwa: Rabenmutter
rāne (Blb/R), rene - regnen ("Du rānts!" - Da regnet es!)
Rōd ( mit langem, geschlossenem "o"), n. - Rad, Pl. Rarrer
Ränt,n. (Blb/R) - Rind
reiwe - reiben, reeb, gerewe
Reiweküsche - Reibekuchen
Rëinthe - Rinthe (Dorf in Wittgenstein)
Röfe - Raufe, m. - Futterkrippe; vor dem Vieh im Stall, zum Füllen mit Heu
Römmelānd - Raumland. "Ē Römmelānd, du hengt der Hunger ô der Wānd."
Rüh'''.f - Ruhe
Saanse (Blb/R), Sänse (Fe) - Sense
sah (Blb/R) - sagen, saht ("sah're" - sagte er) , gesaht. (Wird mit "werra" oder "fer" angewandt. "Hä saht werra sei Fraa:..." - Er sagte zu seiner Frau:...". "Hä saht fer
der Büre:..." - Er sagte zu dem Bauern:...)
sall, esch - ich soll; dü satt, hä sall, mer sinn, ehr sillt, se sinn; sull, gesullt
schee - schön("Wos e scheene Blümme!" Was für eine schöne Blume! "E schee Madche!" - Ein schönes Mädchen!)
Schewwer (das erste "e" nach "ä" gehend), m. - Schiefer
Schewwerdach,n. - Schieferdach
schisch(Blb/R, Fe) - scheu
Schlēre,m. (Blb/R)- Schlitten
Schlenn,,f. (mit nach "ä" gehendem, kurzem "e") (Blb/R)- Schlehen
Schott, (mit geschlossenem, kurzem "o")m. - auch: Tratsch, Wulkebruch(Blb/R);heftiger Regen Platzregen,Wolkenbruch
schbere (Blb/R) - spät
Schiere,f. - Scheune
Schierefest,n. - Scheunenfest
Schinnuus, Schinnos,n. - fragwürdiges Frauenzimmer, Pl. Schinnöser. Vielleicht aus dem Rheinland importiert, vgl. Aachen: Schennoas - Schindluder, Schalk)
schlah - schlagen; esch schlan, dü schlehst,hä schleht, mer schlahn...; schlig, geschlah
Schossie(erste Silbe kurz und betont), f. - Straße, Chausse("De Schossie nu Dotzela..." - Die Straße nach Dotzlar...)
schwinne (Blb/R) - schnell, geschwind
schwoarte, sech - sich schlagen;auch: "Demm herr ich als lange mul der Hennerschte verschwoarted!" Dem hätte ich längst einmal den Hintern versohlt.
sein, esch - ich bin, s. Konjugationen
Sēje - Siegen
Sette,f. - Heuaufguß für das Vieh
Settepott,m. - Gefäß für einen Heuaufguß
setze(mit kurzem, fast geschlossenen "e" an erster Stelle) - sitzen, sass, gesesse (mit nach "ä" gehendem "e" an zweiter Stelle)
setze (mit nach "ä" gehendem "e" an erster Stelle), sech - sich setzen
söppe - weinen, heulen
solpere (mit geschlossenem "o")(Blb/R) - Fleisch mit Salz einlegen
Sonnowend,m. (Blb/R) - Samstag
Soppe,f. (Blb/R) - Suppe
Spännstuwwe,f. (Blb/R) - Spinnstube
speele - spielen, speelte, gespeelt
stell - still
stenn - stehen; stunn oder stann, gestanne
strāwe (Blb/R)- streuen
Strāwes,n. (Blb/R) - Streumaterial (zum Streuen unter das Vieh)
sträwe (Blb/R) -betrunken,ähnlich: "dune"
Stühl,m., m - Stuhl, Pl.: Stiehle
Stuwwe,f. (Blb/R) - Stube
Tratsch,m. - 1. s. Schott, 2. Geschwätz
Tränkepott,m. - Gefäß zum Tränken des Viehs
Trapp, m. - Treppe
Treppe, f. - Treppe, Pl. Treppe
Tröfe,f. - Traufe
Tswöwwel (Zwöwwel),(Blb/R)f.- Zwiebel
uff - auf
Ühre, (Blb/R)f. - Uhr
Uhr, (Blb/R)n. - Ohr
Umma,(Blb/R)f. - Oma
Unflod, (Blb/R)m. - ein maßloser Fresser
unner - unter
Unnerdorf,n. - Unterdorf
Uppa,(mit einem weicheren "pp")m. - Opa
Urebonn (mit nach "a" gehendem ""o"), f. - Odeborn
Ūreschlitzer, (Blb/R)m. - Ohrschlitzer, Ohrwurm
Vadder, (mit einem härteren"dd")m. - Vater
vērwats - vorwärts
vonne (Blb/R) - vorne; nu vonne - nach vorne
Wackel, (Blb/R)m. - Wackerstein
Wäg, m. - Weg,Pl. Wäje
Wänter, (Blb/R)m. - Winter
wārambel - Bekräftigungswort, z.B. "Dos woar warambel e gütt Juhr!"- Das war wirklich ein gutes Jahr!)
warem -warum
Watz, (Blb/R)m.- Eber
were (mit nach "ä" gehendem "e" in der ersten Silbe) - werden; esch weren, dü werscht,
hä watt, mer weren, ehr wehr,se weren
werra (Blb/R) - wieder, wider (auch zusammen mit "sah" - sagen, s. dort)
Wesse,f. (Blb/R) - Wiese
worje (Fe) - würgen
wos - was
Wosse,f. (Blb/R)- Graswatschen, Grasnabe
Wotzel,f. (mit leicht nach "a" gehendem "o")(Blb/R) -Wurzel
wū - wo
wūannerschter (Blb/R), woannerschter - woanders
wünn (Blb/R) - wollen (ech well, du wett, hä - dos - well, mer wünn, ehr wütt, se - die
- wünn; im Singular mit nach "ä" gehendem "e"); wull, gewullt
wudasch - wodurch
wufer - wozu, weswegen
wūhenn - wohin
wumet - womit
wūnee - wo hinein
Wulke,(Blb/R),f. - Wolke, Pl.: Wulke
wurewwer - worüber
wuvonne - wovon
wuzü - wozu
>
zah - zehn; "zah Euro" - zehn Euro;"...neine, zahne ..." - neun, zehn. "Zahne ärre Zohl." - Zehn ist eine Zahl."
zerecke - zurück
Zohl, f. - Zahl, Pl. Zohle
zossele (Blb/R) - zausen
Literatur
* Hessen-Nassauisches Wörterbuch (HNWb), Luise Berthold, Marburg 1943.
* Der Konsonantismus der Wittgensteiner Mundart. Fritz Hackler, Bonn 1914.
* Dialektgeographie des Kreises Wittgenstein. Adolf Weiershausen, Marburg 1927/1929.
* Die Struktur der niederdeutsch-mitteldeutschen Sprachgrenze zwischen Siegerland und Eichsfeld. Dieter Möhn, Marburg 1962.
* Aufbau und Gliederung der Wittgensteiner Mundart. Von Dieter Möhn. In: Wittgenstein II.Hgg. von Fritz Krämer. (o.O., o. J.).S. 368-404
*Feudingen in seiner Mundart. Von Christian Hackler. Wittgenstein. Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins e.V. Beiheft 4. Feudingen: Selbstverlag des Wittgensteiner Heimatvereins e.V. 1974
Weblinks
* [http://www.uni-marburg.de/sprache-in-hessen/welcome.html Dialekte in Hessen] Sprache in Hessen und Hessen-Nassauisches Wörterbuch
Kategorie:Wittgensteiner LandKategorie:Hessischer Dialekt
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